Was ist überhaupt ein Blog?
Blöde Frage! Oder doch nicht? Die Diskussion, die momentan mit unverminderter Intensität auf dem Tech-Blog Basicthinking tobt, lässt vermuten, dass der Begriff “Blog” doch nicht ganz so eindeutig geklärt ist. Ist Basicthinking kein Blog mehr, weil die Redaktion die Seite hauptberuflich mit Leben füllt? Muss ein Blog sogar das Hobby eines Einzelnen sein? Was, zum Teufel, ist überhaupt ein Blog?
Schlag’ nach bei Wiki
Wikipedia erklärt einen Blog folgendermaßen:
Ein Blog [blɔg] oder auch Weblog [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal. Häufig ist ein Blog „endlos“, d. h. eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird.
Aha. Ein Tagebuch oder Journal also. Dann wird noch betont, dass die Artikel oft aus der Ich-Perspektive geschrieben werden und auf den Herausgeber bezogen seien. Also eine Ein-Mann-Angelegenheit? Und ab welcher Personalstärke ist ein Blog kein Blog mehr, sondern ein Magazin? Beginnt das sogar schon mit dem Schalten von Werbung?
Faustkeile und Html
Beantworten kann ich diese Fragen so einfach nicht. Ich will es auch gar nicht, denn es bringt uns in der Sache nicht weiter. Denn es ist wohl der Begriff “Blog” selbst, der sich von seinem Sinn her verändert hat. Die Blogs sind eine Art Grundform der persönlichen Webseiten geworden, die mit den Webseiten, die vor dem Alltäglichwerden des Internetgebrauchs existierten, vergleichbar sind. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste eigene Webseite erinnern, die ich 1996 ins Netz gestellt hatte. Komplett selbst “programmiertes” Html, zwei Frames, wild zusammen gesuchte Cliparts. Der Inhalt bestand aus ein paar persönlichen Vorstellungsseiten, einer umfangreichen Linkliste als Ausdruck der eigenen Vorlieben und dem unvermeidlichen externen Gästebuch. Mehr war ohne fortgeschrittene Kenntnisse damals auch gar nicht möglich, denn die Zeit der Content Management Systeme stand noch lange nicht an (aber Spaß hat es trotzdem gemacht
). Von diesen persönlichen Webseiten, die viel Zeit, Mühe und Liebe benötigten, sind heute kaum noch welche übrig geblieben – zumindest stoße ich beim Surfen nicht mehr auf sie. Stattdessen sind, Wordpress und Serendipity sei Dank, die Blogs auf dem Vormarsch. Und wer keinen eigenen Webspace hat, kann sich bei Blog.de oder einem anderen Anbieter kostenfrei registrieren und dort sofort loslegen. Gibt es Geocities eigentlich noch?
Der Begriffsinhalt hat sich verändert
Vielleicht ist genau das das Problem in der emotionalen Diskussion um Blogs und was sie sind oder dürfen. Die einen sehen Blogs noch als das, was sie wohl einmal waren: Persönliche, oft äußerst spezialisierte Online-Magazine, auf denen die Blogger über ihre ureigenen Fach-Themen schreiben. Abgehoben von den kleinen persönlichen Webseiten des normalen Internet-Volks. Aber das trifft so nicht mehr zu. Einen Blog zu erstellen ist einfach geworden. Entsprechend wird das Blog-CMS von vielen für die eigene Webseite genutzt. Und Blog klingt auch viel besser als Homepage.
Viele Blogs sind keine im ursprünglichen Sinn
Mein eigener Blog zum Beispiel ist wohl eher eine persönliche Webseite als ein Online-Magazin. Im Impressum beschreibe ich ihn selbst als Spielwiese, auf der ich als interessierter und faszinierter Laie die verschiedenen Möglichkeiten von Wordpress ausprobiere. Und damit bin ich sicherlich keine Ausnahme. Wenn ich mir so anschaue, was bei den verschiedenen Blog-Toplists so in der Aufzählung erscheint, dann sind doch die Wenigsten davon mehr als persönliche Webseiten.
Gebt der Elite ihre Exklusivität zurück!
Dass Teile der etablierten Blogosphäre angesichts der explodierenden Bloggerzahlen und der damit verbundenen inflationären Benutzung des Begriffs “Blog” angesäuert reagieren, ist verständlich. Letztendlich aber braucht das Kind vielleicht einfach nur einen neuen Namen, damit sich die Blogger-Elite nicht mit dem Fußvolk in einen Topf geschmissen fühlen muss. Denn irgendwie geht es bei dieser Diskussion um Blog oder nicht Blog doch hauptsächlich um eines: Eitelkeiten. Okay, ich schmeiße dann mal einen Namen in die Runde: Nennen wir die Top-Blogs zukünftig doch einfach Wags (Web-Mags), während wir Gelegenheits-Schreiber die eh wertlos gewordene Bezeichnung “Blog” behalten. Ein bißchen Schwund ist eben immer.



































































































